Marbacher Delegation flog über den großen Teich und besuchte die
Partnerstadt Washington

»Die Chemie zwischen den Menschen stimmt einfach«

Dreitägiges Programm ­ Baum der Freundschaft zum Zehnjährigen gepflanzt ­ Stipendienprogramm für junge Leute geplant

WASHINGTON. Für die meisten war es ein Wiedersehen mit Freunden, aber auch die wenigen, die das erste Mal in Washington ihre Koffer auspackten, fühlten sich schon nach ein paar Stunden daheim ­ aufgenommen in eine große Familie, die sich vor zehn Jahren unter dem Motto »We are friends ­ Wir sind Freunde« zusammenfand und seitdem gedeiht und wächst.

Mit vereinigten Kräften pflanzten Herbert Pötzsch, Bernie Hillermann, Walter E. Larson und Heinz Georg Keppler einen Baum der Freundschaft

Mit vereinigten Kräften pflanzten Herbert Pötzsch, Bernie Hillermann, Walter E. Larson und Heinz Georg Keppler einen Baum der Freundschaft

Dabei stand die Reise der 17-köpfigen Gruppe die anderen 15 hatten sich schon früher in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufgemacht vergangenen Donnerstag unter keinem allzu leuchtenden Stern. Die Maschine nach St. Louis hatte einen technischen Schaden und wurde vom Flugplan gestrichen. Aus dem zweistündigen Zwischenstopp in Atlanta wurden damit auf einen Schlag sieben Stunden, und um die Vorfreude auf das Wiedersehen mit den Freunden in Washington ins Unermessliche zu steigern, wurde der Flughafen kurz vor dem geplanten Start zu guter Letzt auch noch wegen Blitz und Donner für eine weitere Stunde geschlossen.

Pannen, von denen die Marbacher sich ihre gute Laune jedoch nicht verderben ließen. Schließlich war es für einige nicht das erste Mal, dass sich der Trip in den Bundesstaat Missouri in die Länge zog. »Als die Feuerwehr vor zehn Jahren hinüberflog, gab es auch Komplikationen, und die Hälfte der Gruppe kam mit der gebuchten Maschine in Frankfurt gar nicht mit«, erinnert sich Gerhard Roth. »Weil in Atlanta eine Maschine ausfiel, waren sie am Ende aber dann doch noch vor den anderen in St. Louis.« Auch als die Stadtkapelle 1994 die US-Freunde besuchte, lief nicht alles glatt. Roth: »Da hatten wir sogar einen ganzen Tag Verspätung.«

Ein Begrüßungskomittee um Walter Hatcher, der im vergangenen Juni bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft in Marbach als ein Mann der ersten Stunde mit der Bürgermedaille ausgezeichnet wurde, brachte die bettschweren Gäste mit einem Bus ins 50 Meilen entfernte Washington. Und gegen 1 Uhr konnten dann auch die wartenden Gastfamilien einmal ans Schlafen denken.

Gemeinsam gefeiert wurde dann am nächsten Abend mit einem großen Picknick am Rennick Riverfront Park an den Ufern des Missouri. Beim traditionellen Barbecue wurden neue Bande geknüpft, Anekdoten aufgefrischt und Erinnerungen an viele offizielle und inoffizielle Begegnungen ausgetauscht. »Ich habe die Marbacher Gastfreundschaft in sehr guter Erinnerung. Wir haben uns vom ersten Mal an wohl gefühlt. Die Chemie zwischen den Menschen hat immer gestimmt«, erzählt Ex-Major Bernie Hillermann. Gestimmt hat auch, was Dr. Helmut Sorg den Amerikanern bei einem Besuch einschenkte. Der selbst gebrannte Schnaps wird in einigen Häusern gehütet wie ein Schatz und nur zu speziellen Anlässen ausgeschenkt.

Vor dem Fest im Park hatten Bürgermeister Herbert Pötzsch und sein
amerikanischer Kollege Walter E. Larson sowie ihre Vorgänger Heinz Georg
Keppler und Bernie Hillermann einen Baum gepflanzt ­ den vierten im Laufe
der vergangenen zehn Jahre. Die Schaufel mit Inschrift gab¹s für die
Schillerstädter als Geschenk ­ und nicht nur die: Kurz bevor Alleinunterhalterin Cathy Gardner den Takt für den Square-Dance vorgab,
überreichte Larson dem Marbacher Rathauschef noch eine Resolution, mit der das Repräsentantenhaus des Staates Missouri die beiden Städte zu ihrem zehnjährigen Jubiläum beglückwünscht. Eine Überraschung, die Pötzsch die Sprache verschlug. »Ich bin überwältigt und habe keine Worte ­ was mir sehr selten passiert«, erklärte er der Runde. Das Schriftstück sei einmal mehr ein Zeichen dafür, dass die Beziehungen zwischen Washington und Marbach eine Partnerschaft für die Bürger der beiden Städte sei und nicht nur auf dem Papier besteht. 

Washingtons Bürgermeister Walter E. Larson mit dem Geschenk der Gäste

 Eine erfolgreiche Partnerschaft, so Walt Larson beim Abschiedsessen am
Sonntagabend, die im Wissen umeinander große Veränderungen gebracht habe. Interesse an der Lebensweise des Anderen, am Alltag, den Hoffnungen und Ängsten habe die Freunde beiderseits des großen Teichs im Laufe der Jahre immer näher zusammengebracht. »Und dass es keine offiziellen Termine braucht, um miteinander in Kontakt zu bleiben, zeigen viele ganz private Besuche«, weiß Herbert Pötzsch. Für den jungen Marbacher Feuerwehrmann Andreas Lorenzen war es schon der 13. Besuch in der Sister-City. Ehrensache, dass er auch für die dortige Löschtruppe eine eigene Uniform besitzt und sogar bei Einsätzen mit von der Partie ist. 1998 wurde Lorenzen in Washington zum Freundschaftsbotschafter des Jahres ernannt.

Die Zukunft, so Pötzsch, liege bei den Jungen. Der Schüleraustausch ­ am
heutigen Samstag reist eine Gruppe von Washington ab ­ sei sehr erfolgreich und müsse weitergeführt werden, betonte er und griff eine Anregung auf, die der amerikanische Konsul David Farrar bei der offiziellen Feier vergangenes Jahr in Marbach gemacht hatte: ein Stipendienprogramm, das insbesondere jungen Menschen die Gelegenheit geben soll, einen Teil ihrer Ausbildung in der Partnerstadt ausüben zu können. »Unser Gemeinderat hat zugestimmt und wir werden diese Sache finanziell unterstützen«, erklärte Pötzsch und versicherte seinem Kollegen und allen Washingtonern am Ende der drei Tage noch einmal: »Sie werden keine gastfreundlicheren Menschen finden als in Marbach.«

<- Zurück

 
 

© Schillerstadt Marbach 2001. Hinweis zur Rechtslage.