Süßere Weißweine liegen im Trend

Die Blumenhofs bauen seit 1979 Wein an und gewannen schon viele Preise

DUTZOW. Alle zwei Jahre packt James Blumenhof seine Koffer und bucht ein Ticket nach Deutschland. »Nicht irgendwann, sondern immer im Juni, wenn es Spargel gibt. Den liebe ich nämlich«, erzählt der rüstige Mitte-Siebziger und lacht. Daheim in Dutzow, einer kleinen 200-Seelen-Gemeinde etwa 15 Autominuten von Washington entfernt und auf der anderen Seite des Missouri gelegen, gehört sein Leben dem Wein.

1979 pflanzte der Informatik-Professor im Ruhestand die ersten Weinstöcke an. Heute bewirtschaftet sein Sohn Mark rund 930 Ar. »Zu 75 Prozent sind es Weißweine ­ allerdings nicht zu trocken«, erklärt Mark Blumenhof. »Schließlich sind wir hier in einer Biergegend und deshalb mögen die Leute wohl auch etwas süßere Weine. Anders als in Deutschland sind es aber vor allem die Männer und nicht die Frauen, die diese Weine bevorzugen.«

Bis zu 50 000 Liter fassen die Edelstahltanks in der Halle neben dem Hauptgebäude. 90 Prozent des Ertrags verkaufen Vater und Sohn im dortigen »winery-shop«. »Der Rest geht an ein paar Restaurants in St. Louis.«

Von dort nehmen viele für einen Tag den Highway 94 Richtung Süden und lassen sich nach gut einer Stunde Fahrt den Rebensaft im rustikalen Probierraum schmecken. Baden-Württemberg, das Rheinland, Franken . . . dicht an dicht drängen sich die Poster an den Wänden. James Blumenhof weiß zu jedem eine Geschichte und erzählt sie gerne. Von den Verwandten in Hildesheim beispielsweise oder dem Cousin, der während des Zweiten Weltkrieges Flieger bei der US-Armee war. »Wir sind uns in der Luft begegnet und haben uns zugewunken«, scherzt Blumenhof und wird dann ernst. Das Thema sei seit Ende des Krieges immer tabu gewesen. »Wir sprechen nicht darüber. Warum, weiß ich nicht, aber es ist ein unausgesprochenes Abkommen zwischen uns.«

Wengerter James (links) und Mark Blumenhof sind auf ihre Erfolge stolz.

Blumenhof ist nur eines von fünf Weingütern innerhalb von 20 Meilen. Vier
von ihnen vermarkten sich gemeinsam über die »Missouri Weinstrasse«. Besucht man sie alle, gibt¹s einen Stempel und damit eine extra Flasche Wein sowie monatliche Informationen über die Neuheiten der Unternehmen.

Die Blumenhof-Weinkarte listet zurzeit zehn Weine. Besonders stolz ist der Seniorchef auf den 2000er halb-trockenen Missouri Weinland aus der weißen Vidal-Traube. »Ein fruchtig-blumiger Wein«, schwärmt James Blumenhof und holt die letzte Flasche aus dem Keller, die im Verkauf etwas über 20 Mark kostet.

Bei der diesjährigen »San Diego National Wine Competition« überzeugte das Produkt die Experten, und die Blumenhofs reisten mit drei goldenen Medaillen zurück nach Dutzow. Dass dies nicht die einzige Trophäe der Weinmacher-Familie ist, zeigt ein Blick auf die Theke im Verkaufsraum. Ein
Dutzend Auszeichnungen sind dort aufgereiht. »Wir haben mit unseren Weißen schon 40 Goldene gewonnen«, sagt Mark Blumenhof. Und das obwohl das Klima nicht ganz so perfekt wie in Kalifornien sei. »Doch die Grundbedingungen stimmen.«

Das wussten wohl auch schon die deutschen Siedler, die sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Umgebung des Anwesens niederließen. Tausende von ihnen fanden Gefallen an der geografischen Lage des Tals, das sie an die Heimat erinnerte und als Missouri Rheinland bekannt wurde.

Die Gemeinde Dutzow wurde 1832 durch Baron von Bock gegründet und war die erste feste Ansiedlung Deutscher in Missouri. Das Gebiet wurde eines der ersten Weinanbaugebiete Amerikas vor der Prohibition. Bis vor einigen Jahren galt Missouri als die größte Weinbaugegend in den Staaten, ehe es von Kalifornien auf den zweiten Platz verdrängt wurde.

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