Schiller-Gedenkstätten

Foto: Mathias Michaelis, Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillers Geburtshaus
„Schiller in Marbach“ lautet der schlichte Titel der neuen Dauerausstellung
Schillers Geburtshaus, die anlässlich des Schillerjahres 2009 am 2. Februar 2009
von Ministerpräsident Günther H. Oettinger eröffnet wurde. Sie zeichnet die
ersten vier Lebensjahre des Dichters nach, die er in seinem Geburtsort
verbrachte. Ein zweiter Teil der Ausstellung ist der Geschichte der
Schillerverehrung gewidmet und zeigt, dass die Marbacher Stadtgeschichte seit
Mitte des 19. Jahrhunderts eng mit der Schiller-Erinnerungsgeschichte verbunden
ist. Deshalb wird das Haus als Erinnerungsort selbst als wichtigstes Exponat zur
Geltung gebracht. Ausgehend von Marbach wird mit Hilfe neuer Medien aber auch
über andere Lebens- und Gedenkstätten sowie über Schillerfeiern und -denkmäler
in aller Welt informiert. Im Erdgeschoss des bescheidenen, zu Beginn des 18.
Jahrhunderts erbauten Marbacher Handwerkerhauses in der Niklastorstraße 31 wurde
am 10. November 1759 Johann Christoph Friedrich Schiller geboren. Die Mutter Elisabetha Dorothea hatte die kleine Wohnung kurz zuvor mit ihrem ersten, zwei
Jahre älteren Kind Christophine bezogen. Der Vater, Leutnant Johann Caspar
Schiller, hielt sich zumeist an den Stationierungsorten seines Regiments auf. In
diesen Jahren lebte seine Frau mit beiden Kindern zumeist allein in der
bescheidenen Wohnung. Das prächtige Taufhäubchen und die stattliche Patenliste
im Marbacher Kirchenbuch zeigen aber, dass die Schillers trotz ihrer prekären
Finanzlage nach wie vor zu den geachteten Familien der Stadt gehörten. Beide
„Reliquien“ gehören zu den insgesamt etwa dreißig Originalstücken aus der
Lebenszeit und Wirkungsgeschichte des Dichters, die in der neuen Ausstellung zu
sehen sind. Als Schiller am 9. Mai 1805 in Weimar starb, war sein Geburtshaus
vorübergehend in Vergessenheit geraten. Doch schon wenige Jahre später, mit dem
wachsenden Nachruhm des Dichters, wurde es zum beliebten Wallfahrtsziel. Der
Marbacher Schillerverein erwarb das Haus und machte es vom Schillerjubiläum 1859
an als Sammel- und Gedenkstätte öffentlich zugänglich. Die im 19. Jahrhundert
gestifteten Exponate zur Ausstellung in Schillers Geburtshaus bildeten den
Grundstock für die Sammlungen des 1903 eröffneten Schillermuseums und -archivs,
des späteren Schiller-Nationalmuseums. Öffnungszeiten: täglich 9 - 17 Uhr
(24., 25., 26. und 31. Dezember geschlossen) Eintritt:
3,00€ (ermäßigt: 1,50€) Schillers Geburtshaus
Niklastorstraße 31 71672 Marbach am Neckar
Telefon: 07144/17567
E-Mail:
schillers-geburtshaus@schillerstadt-marbach.de
Internet: www.schillers-geburtshaus.de
Schiller-Nationalmuseum
Voraussichtlich bis November 2009 geschlossen.
Hier erhalten Sie Informationen zu den "Perspektiven bis 2009" des Schiller-Nationalmuseums - unter anderem gibt es eine Interimsausstellung im LiMo.
Der 1895 gegründete Schwäbische Schillerverein erbaute
seinem Namenspatron das Museum, ein weithin sichtbares
„Schloss“ über dem Neckar, das im Jahr 1903 feierlich
eröffnet wurde. Gebaut wurde es 1901-1903 nach Plänen der
bedeutenden Stuttgarter Architekten Ludwig Eisenlohr und
Carl Weigle. Das Gebäude lehnt sich an spätbarocke Vorbilder
an, z. B. das Schloss Monrepos in Ludwigsburg. Der
eingeschossige Putzbau trägt ein Mansard-Walmdach mit
zentraler Kuppel.
Das Innere des Museums ist ein mit wertvollen Materialien
gestalteter repräsentativer Innenraum. Aufgrund von Innensanierungsarbeiten ist das Schiller-Nationalmuseum bis zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung zu Schiller und der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts im November des Schillerjahres 2009 geschlossen.
Zur Eröffnung des Schiller-Nationalmuseums ist gar König
Wilhelm II von Württemberg zu einem feierlichen Besuch nach
Marbach gereist. Auch
Königin Elizabeth II von England besichtigte die Dichter-Gedenkstätte während ihres Besuchs in Deutschland 1965.
Von Anfang an war das Haus nicht nur ein Literaturmuseum,
sondern auch ein Literaturarchiv, hatte also Bildung und
Forschung zum Ziel; und es war von Anfang an nicht allein
Friedrich Schiller gewidmet, sondern der Literatur und
Geistesgeschichte Südwestdeutschlands insgesamt. So hat am
10. November 1903 eine Institution ihre Pforten geöffnet,
die sich schnell Rang und Ansehen im Kreis der Bibliotheken
und Archive, der Museen und Gedenkstätten verschaffen
sollte.
Mehr Infos zum Schiller-Nationalmuseum unter
Touristik-Sehenswürdigkeiten
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Deutsches Literaturarchiv
In den fünfziger Jahren erfolgte die Erweiterung des
Schiller-Nationalmuseums zum Deutschen Literaturarchiv. Man
wollte die Doppelaufgabe, der literarischen Bildung wie der
literaturwissenschaftlichen Forschung zu dienen,
beibehalten. Die Sammlungen in Handschriftenabteilung,
Bibliothek und Bildabteilung wuchsen rasant und mit ihnen
die Aufgaben der Erschließung und Benutzung. So entstand
neben dem optisch nach wie vor dominanten Museumsgebäude bis
1973 der bemerkenswert stilvolle Bau des Literaturarchivs.
Dieses sieht sich bis heute als Sammel- und
Forschungsstätte für jegliche Art von Nachlässen zur
deutschen Literatur seit etwa 1750. Dem enormen Zuwachs der
Bestände trug man Rechnung, indem neben dem alten Gebäude im
Jahr 1973 nach preisgekrönten Entwürfen der Stuttgarter
Architekten Jörg und Elisabeth Kiefner sowie Wolfgang Lauber
ein Neubau im Stile der damaligen Zeit erstellt wurde.
Im Archiv gibt es derzeit u. a. über 1.100
Schriftstellernachlässe, Archive literarischer Verlage und
Zeitschriften und Gelehrtennachlässe
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LiMo zur WM: Eröffnung
des Literaturmuseums der Moderne als neues Highlight in der
Schillerstadt
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Bild: Andreas
Schirmeister |
Noch vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft ist Marbach
am Neckar um eine äußerst attraktive Einrichtung reicher
geworden: Am 6. Juni 2006 hat das Literaturmuseum der
Moderne seine Pforten geöffnet.
Bundespräsident Horst Köhler hat die Eröffnung des
europaweit einzigartigen Museums vorgenommen, das allein dem
literarischen Schaffen des 20. Jahrhunderts gewidmet ist.
 | Bundespräsident Horst Köhler (m) mit seiner Frau Eva Luise und Ministerpräsident Günther Oettinger in Marbach am Neckar. Bild: dpa |
Der Bundespräsident hat das Literaturmuseum der Moderne
als «Schatzkammer der deutschen Literatur» gewürdigt. «Dies
ist ein Bekenntnis zur Größe der Literatur, zum Wunder der
Literatur», sagte Köhler bei einem Festakt in Friedrich
Schillers Geburtsstadt.
Das „LiMo“ wie es bereits liebevoll genannt wird, wendet
sich an ein breites Publikum. Auf über 600 Quadratmetern
Ausstellungsfläche zeigt es in einer Dauerausstellung die
bedeutenden Bestände der Literatur des 20. und 21.
Jahrhunderts, die im Deutschen
Literaturarchiv gesammelt und bewahrt werden. Aus den dort
insgesamt über 1.100 Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen
sind im „LiMo“ die kostbarsten zu sehen: Die Manuskripte von
Kafkas Proceß, Döblins Berlin Alexanderplatz,
Rilkes Karussell, Hesses Steppenwolf oder
Kästners Emil und die Detektive – um nur einige zu
nennen.
Im „LiMo“ finden sich aber auch intime, oft kuriose Objekte:
Briefe, Zeugnisse, Personalausweise, Notizbücher, Fotoalben,
Lieblingsbücher und Erinnerungsstücke der Dichter und
Denker, der Atari-Computer von Thomas Strittmatter ebenso
wie die Zettelkästen von Hans Blumenberg oder Hans-Georg
Gadamers Schere.
Durch neuartige Ausstellungs- und Vermittlungsformen führt
das Literaturmuseum der Moderne Besucher aller Altersgruppen
heran an die Objekte des Archivs und an das, was man
eigentlich nicht sieht, weil es erst in der Fantasie der
Leser entsteht: die Literatur. Das Museum zeigt Strategien
literarischer Erfindungen, weiht ein in verschiedene Weisen
des ästhetischen Denkens, Schreibens und Lesens, führt
kulturelle Überlieferungsformen und historische
Zusammenhänge vor Augen.
Ein speziell entwickelter multimedialer Museumsführer (M3)
hilft den Besuchern im Literaturmuseum der Moderne, einen
der vielen möglichen Wege durch die Welt der Literatur für
sich zu entdecken. Eine Welt, die durchaus laut und bunt
sein kann, die mehr als nur zwei flache Seiten besitzt und
die durch neue Nachlässe und die Forschungen des Deutschen
Literaturarchivs stets in Bewegung bleibt.
Die große Schauausstellung zum Archiv wird ergänzt durch
einen interaktiven Leseraum, aktuellen Installationen zur
Literatur der Gegenwart von prominenten Kuratoren,
vielfältige Wechselausstellungen, literarische und
museumspädagogische Veranstaltungen und durch ein
Literaturlabor für Kinder und Schüler.
Architektonisch ist das Museum ebenfalls ein Highlight. Der
Entwurf für das „Mirakel Marbach“ stammt vom Berliner Büro
David Chipperfield Architects. Der Neubau besticht durch
eine durchdachte, konsequent auf ihre Funktionalität
überprüfte Ästhetik, geschickte Lichtregie und die
glückliche Verbindung von Haus und Landschaft.
Das LiMo kann ohne Voranmeldung besichtigt werden.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr, mittwochs von
10.00 bis 20.00 Uhr. Montags (außer an Feiertagen) sowie am 24.,
25., 26. und 31. Dezember ist das Museum geschlossen.
Öffentliche Führungen finden künftig jeweils sonntags um 11
Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Gruppenführungen (bis max. 20 Personen) können über Telefon
07144/ 8 48 6 16 oder per E-Mail über
museum@dla-marbach.de
gebucht werden.
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Bild: Andreas
Schirmeister |
Literaturmuseum der Moderne
Schillerhöhe 8-10
71672 Marbach am Neckar
Weitere Informationen zum Literaturmuseum der Moderne finden
Sie im Internet unter
www.dla-marbach.de oder unter der Telefonnummer 07144/ 8
48 6 16.
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Schiller-Denkmal
Das Schiller-Denkmal befindet sich in der Parkanlage Schillerhöhe,
gegenüber dem Schiller-Nationalmuseum. Zum 100. Geburtstag
Schillers wurde 1859 der Grundstein gelegt. Das Standbild
nach Entwürfen des Bildhauers Ernst Friedrich Rau wurde in der Werkstatt Pelargus, in
Erz gegossen. Die Marbacher hatten sich mehr als vierzig
Jahre lang darum bemüht und er konnte erst 1876 eingeweiht werden, nachdem Kaiser Wilhelm I. den Befehl zur
Lieferung von 32 Zentnern französischer Geschützbronze zu
dessen Guss gegeben hatte.
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Schillerhöhe
Marbach hat seinem
großen Sohn mit der "Schillerhöhe" einen besonders schönen
Teil der Stadt gewidmet. In den Jahren 1835 bis 1840
entstand ein Park mit herrlichem Blick auf das Neckartal.
Die Bäume und Sträucher dafür stiftete König Wilhelm I.
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Gasthaus Goldener Löwe
Von historischer
Bedeutung ist das Gasthaus „Goldener Löwe“ in der
Niklastorstraße 39. Hier wurde 1732 die Mutter Friedrich
Schillers, Elisabetha Dorothea Kodweiß geboren.
Das Vorgängergebäude
überstand den Stadtbrand 1693 und gehört um 1695 Johann
Bernhard Mehrer. Direkt nördlich schloss sich der
Stadtgraben vor der äußeren Mauer an. Das Gebäude wurde, da
außerhalb liegend, beim Stadtbrand verschont. 1726 kaufte
Schillers Großvater, der Bäcker Georg Friedrich Kodweiß das
Anwesen von Strumpfstricker Johann Georg Schmid und
eröffnete wohl unmittelbar danach die Gastwirtschaft.
Da die Familie im
Siegelring einen Löwen führte, übernahm Kodweiß das
Wappentier für seine Gassenwirtschaft, die im Gegensatz zu
den ständigen Wirtschaften damals nur zeitweise geöffnet
war. So hatte der Abkömmling einer alteingesessenen und
einflussreichen Marbacher Familie Zeit, seinem Amt als
herrschaftlicher Floßverwalter nachzugehen, das er ebenfalls
1726 übernahm.
Offenbar florierten die
Geschäfte, denn um 1740/45 ersetzte Kodweiß das kleinere
Haus durch das jetzige Gebäude. Wenige Jahre später kam 1749
der Chirurg Johann Kaspar Schiller aus Bittenfeld als Kunde
in das Gasthaus und heiratete noch im selben Jahr die
Tochter des Wirtes. 1750 wurde dem Schweigersohn Schiller
der Anbau am haus übertragen und er hoffte, eines Tages
alles zu erben. Doch Kodweiß geriet durch Hochwasser und
unglückliche Spekulationen in wirtschaftliche
Schwierigkeiten, die damit endeten, dass er und Schiller
1756/57 das Gasthaus um 1200 Gulden und 10 Scheffel Dinkel
an Johann Ludwig Pfuderer verkaufen musste.
Der „Goldene Löwe“ ist
aber bis heute eine Gasthaus geblieben und konnte im Jahr
2001 sein 275-jähriges Bestehen feiern. Unvergesslich als
Löwenwirt bleibt Eberhard Hubrig, der die Wirtschaft über 30
Jahre lang bis Ende Juli 2001 führte und manche Prominenz in
seinem Haus zu Gast hatte.
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